#39 Typ-1-Diabetes: Ein Update
Shownotes
Weiterführdend Informationen zu AID-Systemen: Linkbeschreibung
AID steht für „Automated Insulin Delivery“ (Automatisierte Insulinabgabe) und bezeichnet Systeme, die Insulinzufuhr bei Diabetes automatisch steuern
Dieser Podcast wird Ihnen von der österreichischen Ärzte- und Apothekerbank gewidmet. Gründen, finanzieren, digitalisieren. Die Standesbank ist an Ihrer Seite.
Wer an der Tara Menschen mit Typ-1-Diabetes berät, trägt Verantwortung – denn diese Patient:innen passen ihre Therapie mehrfach täglich selbst an. Ein übersehenes Wechselwirkungspotenzial kann schnell zu einer ernsten Situation führen.
In dieser Folge von ÖAZ im Ohr spricht Mag. pharm. Dr. Helga Auer-Kletzmayr – Apothekerin, Fortbildungsreferentin und selbst Betroffene – offen über die Risiken, die im Apothekenalltag zu wenig Beachtung finden: Betablocker, die Hypoglykämie-Warnsignale maskieren. Glukokortikoide, die den Glukosespiegel außer Kontrolle bringen. Und hormonelle Kontrazeptiva, die den Insulinbedarf im Zyklusverlauf verschieben.
Dazu bringt sie Sie auf den neuesten Stand: Seit Jänner 2026 ist mit Teplizumab erstmals eine krankheitsmodifizierende Therapie in der EU zugelassen – sie kann den Ausbruch von Typ-1-Diabetes im Mittel um zwei Jahre verzögern. Erfahren Sie, was hinter dieser Zulassung steckt und für wen die Therapie in Frage kommt.
Außerdem: Notfallmanagement mit nasalem Glukagon, der richtige Umgang mit Pen-Nadeln und wie Sie Angehörige gezielt schulen können – kompakt und auf den Punkt.
Disclaimer Dieser Podcast richtet sich an Fachkreise und dient der Vermittlung von allgemeinem Wissen über pharmazeutische und medizinische Themen. Es werden keine konkreten Therapieempfehlungen oder individuelle Ratschläge für Laien gegeben. Die Inhalte ersetzen keinesfalls den Besuch bei einem Arzt/einer Ärztin oder einer Apothekerin/einem Apotheker.
Transkript anzeigen
00:00:04: Dieser Podcast wird Ihnen von der Österreichischen Ärzte- und Apotheker Bank gewidmet.
00:00:09: Gründen
00:00:10: finanzieren, digitalisieren – die Standesbank ist an Ihrer Seite!
00:00:17: Wer an der TARA Menschen mit Typ-I Diabetes berät,
00:00:21: trägt
00:00:21: Verantwortung.
00:00:23: Denn diese Patientinnen passen ihre Therapie mehrfach täglich selbst an!
00:00:28: Ein übersehendes Wechselwirkungspotenzial kann schnell zu einer ernsten Situation führen.
00:00:34: In der heutigen Folge von ÖAZ im Ohr spricht meine Kollegin und Chefredakteurin Magister Dr.
00:00:40: Irene Senn.
00:00:46: Sie ist Apothekarin, Fortbildungsreferentin und Selbstbetroffene.
00:00:51: Und spricht offen über die Risiken, die im Apothekenalltag zu wenig Beachtung finden!
00:00:57: Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Episode von ÖRZ im Ohr.
00:01:15: Herzlich Willkommen bei ÖR Z im Ohhr – dem Podcast der österreichischen Apotheker-Zeitung.
00:01:22: Mein Name ist Irene Sen Und heute wollen wir uns mit einer Erkrankung beschäftigen, die zwar viele in der Apotheke vom Alltag kennen aber die dennoch von sehr vielen Missverständnissen begleitet ist.
00:01:35: Nämlich dem Typ-I Diabetes.
00:01:38: Meine Gesprächspartnerin hat dazu einen ganz besonderen Zugang.
00:01:42: Sie ist Apothekerin, renommierte Fortbildungsreferentin, ÖRZ Autorin und selbst lebt sie seit mehreren Jahren mit Typ- I Diabetes.
00:01:51: Frau Dr.
00:01:52: Helga Auer-Kletzmeier, liebe Helga herzlich willkommen in unserem Podcaststudio!
00:01:57: Guten Tag und vielen Dank für die Einladung!
00:02:00: Helga ich habe es jetzt schon kurz erwähnt du bist selbst von Typ I Diabetes betroffen.
00:02:04: magst Du zunächst um einstieg kurz erzählen wie das bei Dir damals war?
00:02:09: Das war für mich damals, das war vor über zwanzig Jahren sehr überraschend.
00:02:13: Weil ich auch keinerlei familiäre Vorbelastung hatte, dass von einem Tag auf den anderen gefühlt... Damals habe ich noch nicht dieses Wissen von heute plötzlich die Wahnsymptome bekommen haben.
00:02:25: Das war im extrem starken Turst, extrem starke Polyurie.
00:02:30: Und als Apothekerin kam mir dann schon der Verdacht und ich habe schnell mal in der Apotheke meinen eigenen Blutzucker gemessen, und er hat dann fünfundhundert achtundsiebzig Milligramm pro DZ Liter ergeben.
00:02:43: Das war natürlich ein Schock!
00:02:44: Ich bin dann sofort ins Krankenhaus und es war relativ schnell klar dass sie sich um den Typ I Diabetes
00:02:50: handelt.".
00:02:51: Wir kommen dann eh noch drauf zu sprechen.
00:02:53: Man ist ja auf der Annahme, dass hauptsächlich Kinder betroffen sind von Typ-I Diabetes.
00:02:58: Demist du aber nicht so?
00:03:00: Nein dem ist überhaupt nicht so und das ist gleich die erste Take Home Message, die ich allen mitgeben möchte.
00:03:06: man hat im Kopf der Typ- I Diabetes eine reine Kinder- und Jugenderkrankung.
00:03:11: es gibt Zahlen aus dem Jahr zwanzig zweiundzwanzig, dass Zweiundsechzig Prozent der weltweit Neuerkrankten aber Erwachsene über Zwanzig Jahren waren.
00:03:19: also es kann einem da Typ I Diabetes in jedem Lebensalter auch noch mit fünfzig, sechszig oder siebzig Jahren erwischen.
00:03:27: Weil es sich dabei und das ist auch nicht so bekannt in erster Linie um eine Autoimmunerkrankung handelt die sich erst dann zur Stoffwechselerkrankungen entwickelt.
00:03:37: Ja, das ist ein sehr wichtiger Punkt.
00:03:39: Dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt, kannst du uns erklären was da im Körper genau passiert?
00:03:45: Es läuft der Autoimmune-Prozess ab und es beginnt damit dass man wenn man Typ I Diabetes einmal bekommt grundsätzlich mit sogenannten Risikogenen geboren wird Und irgendwann im Leben, sehr häufig in der frühen Kindheit gibt es dann irgendein Ereignis oder einen externen Trigger, der diesen autoimmunem Prozess startet.
00:04:08: Dabei richtet sich das körpereigene Immunsystem genauer die autoreaktiven T-Lymphozyten sehr speziell gegen die Beta-Zellen einer Bauchspeicheldrüse, die ja für die Insulinproduktion im Körper verantwortlich sind und zerstören diese.
00:04:25: Das passiert aber nicht von heute auf morgen, das ist so ein längerer Prozess.
00:04:29: Der Körper reagiert zunächst einmal darauf dass er bestimmte Autoantikörper bildet.
00:04:35: Das sind Antikörper die nichts mit dem Zerstörungsprozess selbst zu tun haben, die für uns heute wichtige Biomarker sind damit man feststellen kann ob dieser Autoimmuneprozess losgegangen ist, beziehungsweise wie weiter schon fortgeschritten ist.
00:04:52: Das wurde zum Beispiel vor über zwanzig Jahren bei mir damals überhaupt nicht getestet.
00:04:56: Früher hat man den Typ I Diabetes anhand der Symptomatik Hyperglychemie und den Warnsymptomen Polydipsy-Polyioridiagnostiziert.
00:05:06: Gibt es da heute schon Möglichkeiten?
00:05:07: Wie kann man das früher testen?
00:05:09: Ja,
00:05:09: heute kann man grundsätzlich schon verschiedene Screening Optionen nutzen und das würde ich auch gerne vorstellen.
00:05:18: Das ist ein Screening auf die sogenannten Risiko-Gene, und es wird zunächst beginnen den Wien, Niederösterreich und dem Burgenland in einigen Geburtenstationen schon angeboten, dass man im Rahmen des Ganz normal stattfindenden, neugeborenen Screenings aus diesem Tropfen fersen Blut – der untersucht wird auch auf andere Stoffwechselerkrankungen -, dass da die Eltern ihre Neugeborenen testen lassen können ob Risikogene für einen Typ I Diabetes vorliegen.
00:05:47: Weil diese Risikogenes sind mittlerweile sehr gut
00:05:49: bekannt!
00:05:51: Das heißt, das passiert auf freiwilliger Basis im Moment?
00:05:54: Das passiert
00:05:54: auf der freiwilligen Basis.
00:05:56: Die Eltern müssen gesondert noch einmal unterschreiben, dass sie im Rahmen dieses neu geborenen Screenings ihre Kinder auch auf Risiko-Gene für den Typ I Diabetes testen lassen wollen.
00:06:06: Diese Untersuchung ist kostenlos... Es bedarf nur einer Unterschrift.
00:06:11: Und
00:06:11: wie würde man dann weiter vorgehen, wenn das Ergebnis herauskommt, dass ein Risikogen vorhanden ist?
00:06:17: Risikogene zu haben bedeutet noch nicht, dass man ganz sicher einen Typ I Diabetes entwickelt.
00:06:23: von allen untersuchten Kindern.
00:06:25: Man hat da gute Zahlen aus Deutschland... bei ungefähr einem Prozent werden diese Risiko-Gene nachgewiesen und von diesem Kollektiv werden wiederum nur zehn Prozent einen Typ I Diabetes entwickeln.
00:06:39: Und die Eltern, die dieses positive Ergebnis dass ihre Kinder diese Risikogene haben bekommen, werden in Österreich von der Medizinischen Universität Wien dann weiter betreut.
00:06:50: man bietet ihnen zum Beispiel anderen primär Interventionsstudien teilzunehmen.
00:06:55: Eine so eine Studie ist die Avantier-Studie und daran können die Kinder dieser Eltern dann teilnehmen.
00:07:02: Und man möchte durch Interventionen versuchen, die Entwicklung des Typ I Diabetes zu verlangsamen oder überhaupt zu verhindern.
00:07:12: Gibt es neben den jetzt besprochenen Risiko-Genen auch noch andere bekannte Auslöser, die für einen Typ I Diabetes verantwortlich sein können?
00:07:20: Man hat da keine ganz konkreten Angaben aber man hat einen Verdacht das Viruserkrankungen besonders in der frühen Kindheit dafür verantwortliche sind dass dieser Autoimmuneprozess gestartet wird.
00:07:32: Man weiß zum Beispiel, dass Änderruvieren vom Cuxack hier B-Typ dafür verantwortlich sein könnten und man hat aber auch gelernt Virus mit die Ursache sein kann, dass dieser Autoimmuneprozess gestartet wird.
00:07:47: Und das wird eben bei der Avantia-Studie untersucht.
00:07:51: Man bietet den Kindern an im Alter von sechs Monaten schon gegen SARS-CoV-II geimpft zu werden um dann zu schauen ob sich der Typ I Diabetes verspätet oder gar nicht entwickelt.
00:08:04: Was du auch schon kurz erwähnt hast sind Autoantikörper über die man heute sehr gut bescheidt weiß, warum sind die so wichtig?
00:08:12: Anhand dieser Autoantikörper kann man den Typ I Diabetes jetzt überhaupt neu einteilen.
00:08:19: Ich habe schon gesagt ich wurde erst anhand der Symptome diagnostiziert.
00:08:23: heute kann man schon viel früher einen Typ-I Diabetes detektieren wenn auf Autoantikkörper getestet wird.
00:08:31: Man teilt den Typ-i Diabetes nämlich in drei Stadien ein.
00:08:35: im Stadium Eins liegen bereits zwei oder mehr Autoantikörper im Blut vor.
00:08:42: Mit dem Glucose-Stoffwechsel ist aber noch alles völlig in Ordnung, man spricht von Normo-Glykemi.
00:08:48: Im Stadium II würde – wenn man zum Beispiel einen HPA ins C-Wert testen würde eine Dysglykemie schon auftauchen, aber in den meisten Fällen wird in diesem Stadium ja noch gar nicht getestet.
00:09:02: Und im Stadium drei, das ist eben das Stadium mit der Hyperglückämie und den klinischen Symptomen.
00:09:07: Hier wurde bisher erst der Typ I Diabetes diagnostiziert.
00:09:12: Nun gibt es beim Typ I Diabetes noch eine sehr wichtige Neuerung, nämlich ist seit Jänner zwanzig sechsundzwanzig in der EU die erste Krankheitsmodifizierende Therapie zugelassen.
00:09:21: Nämlich das Diplizumab –.
00:09:23: was ist das Besondere an dieser Therapie?
00:09:25: Ja, das ist eine Therapie, die in den USA schon seit Zweiundzwzig zugelassen wurde.
00:09:31: Der Wirkstoff Diplizzomab ist ein Anti-CD III Antikörper Autoimmunenprozess nicht stoppen kann, aber deutlich bremsen.
00:09:42: Man hat festgestellt in klinischen Studien, dass wenn das Deplizumab bei Kindern ab acht Jahren oder Erwachsenen gegeben wird – das ist eine Infusionstherapie, vierzehn Tage lang wird täglich eine Infuzion gegeben -, dass der Übertrieb vom Stadium II des Typ I Diabetes in dem Stadium III im Mittel auf zwei Jahre hinausgezögert werden kann.
00:10:07: Das bedeutet aber auch, man kann mit dem Diplizum ab den Diabetes trotzdem nicht stoppen.
00:10:12: Es ist nur eine Krankheitsmodifizierende Therapie es ist keine Heilung!
00:10:18: Was bedeutet das konkret für Apotheker und Apothekarinnen wenn besorgte Eltern oder interessierte Eltern auf sie zukommen ob das eine relevante Therapie für ihr Kind wäre?
00:10:27: Also ich glaube nicht, dass das eine Entscheidung ist die man in einem Beratungsgespräch an der Tara mit den Eltern fällen kann weil da spielt schon sehr viel mit.
00:10:36: Das ist eine Therapie die in das Immunsystem eingreift es auch mit Nebenwirkungen wie Fieber Kopfschmerzen aber auch es kann zu einem Zytokinsturm kommen.
00:10:47: also hier würde ich von der Beratung in der Apotheke absehen.
00:10:51: das muss dann wirklich in die Hände von erfahrenen Diabetologinnen und Diabetologen gelegt werden.
00:10:57: Wie ist es mit den Kosten?
00:10:58: Wird die zum Aberstattet von der Krankenkasse?
00:11:01: Da habe ich für Österreich noch keinerlei Informationen.
00:11:04: Ich habe nur gehört, dass diese Therapie in den USA im Bereich von zweihunderttausend US-Dollar liegt.
00:11:10: Es wird wirklich die Frage sein, ob das in Österreich von den Krankenkassen überhaupt bezahlt wird.
00:11:15: Ja, das wird die Zukunft weisen!
00:11:19: Jetzt haben wir sehr viel über die Entstehung und die Frühjahrkennung gesprochen.
00:11:23: Schauen wir jetzt in eine andere Richtung, wie sieht der Alltag von Menschen aus, die mit Stadium III einer Diabetes-I Erkrankungen leben?
00:11:31: Und hier bist du ja nicht nur Expertin sondern auch Selbstbetroffene!
00:11:35: Was kannst du uns hier berichten?
00:11:36: Also ab dem Stadium drei, da sind dann schon achtzig Prozent aller Beta-Zellen zerstört.
00:11:42: Muss Insulin unbedingt von außen zugeführt werden und was man parallel zur Insulintherapie natürlich machen muss ist dass man seinen Glucosespiegel streng überwacht.
00:11:53: Mit welchen Möglichkeiten ist man ausgestattet?
00:11:56: also welche Optionen gibt es um diese beiden Faktoren quasi abzudecken?
00:12:00: Also vor über zwanzig Jahren habe ich noch mit der Blutglucose Messung begonnen Und da war es notwendig, mindestens fünfmal in der Regel aber auch viel öfter am Tag sich in den Finger zu stechen.
00:12:12: Und mittlerweile gibt es aber Gott sei Dank die tolle Entwicklung der CGM Sensoren – das spricht man von der kontinuierlichen Glucose-Messung.
00:12:21: und man trägt jetzt so einen Sensor meist am Oberarm und kann jederzeit ohne sich in dem Finger stechen zu müssen vom Smartphone oder von der Uhr den aktuellen Glucase wert.
00:12:33: ablesen und man bekommt darüber hinaus aber auch Hinweise wie sich der Glokosenspiegel in der nächsten Zeit entwickeln wird.
00:12:40: Steigt er stark an oder fällt da ab?
00:12:42: Das ist für die Therapieentscheidungen sehr, sehr wichtig.
00:12:46: Das heißt das ist auch ein Algorithmus dahinter, der das quasi berechnen kann, wie es sich der Potenzial entwickelt.
00:12:51: Da liegt ein Algoritmus dahinten und es wird jetzt vor allem mit den Möglichkeiten der KI länger noch in die Zukunft berechnet, zum Beispiel ob ich in der nächsten Nacht eine Hypoklychemie erleiden könnte und dann werde ich rechtzeitig gewarnt.
00:13:05: Sind diese Systeme erstattungsfähig für Menschen mit über einst Diabetes?
00:13:09: Ja es sollte jede Person mit über eins Diabetes einen ZGM-Sensor von der Krankenkasse erstattet bekommen.
00:13:17: Gut das ist jetzt quasi das Sensor.
00:13:18: wie sieht das aber im Gesamtsystem also mit der Insulintherapie aus?
00:13:22: da würde dann zusätzlich Insulin spritzen wenn ich mit so einem System arbeite.
00:13:27: Natürlich, der Glucose-Sensor liefert mir ja nur die Daten wo sich mein Glucosespiegel befindet bzw.
00:13:33: wo er sich hinentwickelt.
00:13:35: Bei Typ I Diabetes ist es aber so, dass so gut wie gar kein Insulin von der Bauchspeicheldrüse mehr produziert wird.
00:13:42: Deswegen muss es extern von außen zugeführt werden und hier gibt es zwei Möglichkeiten einerseits mittels einer Insulin-Bumpe oder andererseits mit der sogenannten Basispolosterapie wo man sich selbst verabreicht.
00:13:59: Was sind hier die Unterschiede zwischen einer Insulin-Bumpe und dem Basispolosystem?
00:14:04: Der heutige Goldstandard, der Typ I Diabetes Therapie ist die sogenannte AID-Therapie.
00:14:10: Hier ist eine Insulinbumpe über einen Algorithmus mit dem Glucose Sensor gekoppelt.
00:14:18: Das Sensor misst die Glucosiwerte und anhand dieser Werte wird die Insulinbumpe gesteuert.
00:14:25: Liegen die Werte sehr hoch, wird von der Bumpe mehr Insulin abgegeben, sinkt der Glucose-Wert ab.
00:14:30: Dann wird die Insulinzufuhr gedrosselt oder für kurze Zeit ganz gestoppt.
00:14:34: also das ist die modernste Form und heute wie gesagt der Goldstandard der Typ I Diabetes Therapie.
00:14:41: Sind das diese Closed Loop Systeme?
00:14:44: Man spricht heute noch von einem sogenannten Hybridclosed Loop, weil auch bei dieser AID-Therapie der Patientin trotzdem noch das Insulin, das für die Mahlzeit benötigt wird, händisch in die Bumpensteuerung eingegeben werden muss.
00:15:01: Also das Sensor kann noch nicht erkennen ob ich jetzt ein kleines Weckerl esse oder eine ganze Pizza.
00:15:08: da muss man als Patient schon einschreiten die Steuerung.
00:15:11: Es wird aber daran gearbeitet, dass man in Zukunft überhaupt nur noch die Mahlzeiten ankündigen muss an das System und vielleicht im weiterer Zukunft wird der System überhaupt dann als Klosklub laufen, damit man auch die Mahlszeitenkohlenhydrate nicht mehr schätzen muss und händisch die Insulin-Dosis dafür eingeben muss.
00:15:31: Wahnsinn was sich in diesem Bereich tut.
00:15:32: sehr spannend!
00:15:34: Hat jeder Betroffene einen Österreich Zugang zu einem IT-System?
00:15:37: Weil du gesagt hast es ist Goldstandard.
00:15:40: Ja, also auch nach den österreichischen Diabetesleitlinien sollte jeden und jeder die neu diagnostiziert wird egal ob jetzt Kind oder Erwachsen eine ID Therapie.
00:15:51: angeboten werden.
00:15:52: Aber natürlich, es ist beim Diabetes immer auch eine sogenannte patizipative Entscheidungsfindung.
00:15:58: Es kann auch jeder für sich selbst entscheiden.
00:16:00: Nein ich möchte nicht mit der Insulinpumpe arbeiten sondern lieber mit der Basis-Bolustherapie.
00:16:06: Wie hast du dich für dich selbst entschieden?
00:16:08: Also ich bin noch immer bei der Basispolus Therapie geblieben.
00:16:12: die möchte ich auch noch kurz erklären weil das war damals vor zwanzig Jahren waren die Insulinbumpen noch nicht so ausgereift Sensoren hat es noch gar nicht gegeben.
00:16:21: Bei der Basis-Bolustherapie spritzt man einmal am Tag ein lang wirksames Basalinselin Analogon und dann zu jeder Mahlzeit ein schnell wirksames Insulin, das sind heute auch alles die modernen Analoga.
00:16:35: Und da muss man natürlich sich jedes Mal die Mahlzeiten begutachten und schätzen lernen bzw.
00:16:42: ich habe viele Jahre lang alles Zuhause Abgewogen mit meiner digitalen Küchenwaage von der Marmelade zum Frühstück bis zu den Spaghetti, die besonders schwierig zu schätzen sind.
00:16:53: und demnach richtet sich dann die Dosis an schnellem Insulin.
00:16:59: Darüber hinaus kann man natürlich auch bei der Basis-Bolustherapie hohe Blutglucosewerte oder vom Sensor gemessene Werte, auch mit diesem schnellen Insulin in den Zielbereich korrigieren.
00:17:11: Die Pumpe, die sensorgekoppelte Pumppe macht das automatisch.
00:17:15: Bei der Basispolus Therapie muss man da noch ein bisschen mitdenken.
00:17:19: Auf jeden Fall wird ganz deutlich dass man sich sehr intensiv mit der Erkrankung beschäftigen muss und dann schon nach hoher kognitiven Last damit verbunden ist für die Betroffenen.
00:17:29: Ja,
00:17:29: ich finde vor allem diese Mental Low dass man quasi vierundzwanzig sieben mit seiner Erkrankheit beschäftigt ist.
00:17:36: bei allem was man tut ob man jetzt vorher Auto zu fahren Sport zu machen Schlafen zu gehen etwas zu essen Man muss immer vorher kurz nachdenken.
00:17:46: Wie ist meine Ausgangssituation?
00:17:48: Was möchte Ich Machen?
00:17:49: wie Muss ich das entweder Mit Kohlenthydraten oder Insulin irgendwie berücksichtigen.
00:17:53: also Das Ist schon eine Herausforderung die nicht zu unterschätzen ist.
00:17:59: Ja, aber die Betroffenen werden dann in gewisser Art und Weise auch zu den Experten oder Expertinnen ihrer eigenen Erkrankung.
00:18:06: Das auf jeden Fall!
00:18:07: Da man rund um die Uhr damit beschäftigt ist und es keine Pause von der Erkrankung gibt... wird man zum Profi.
00:18:14: Was kann man als Apothekerin dann trotzdem beitragen, wenn man den Experten quasi sichtlich überstehen hat?
00:18:21: Ja ich sage immer mit einem Augenzwinkern beim Typ I Diabetes steht die Expertin vor der Tara Aber natürlich können auch die Apothekarinnen gute Tipps mitgeben.
00:18:32: Zum Beispiel ist es ganz wichtig, dass man die Diabetikerinnen und Diabetika informiert wenn es mit einem bestimmten Insulin-Liefer Schwierigkeiten gibt oder wenn manche Insuline überhaupt vom Markt genommen werden wie demnächst von der Herstellerfirma angekündigt das Insulin DETEMIR.
00:18:48: Das wird sicher einige Typ eins Diabetikerinnen und Diabetika betroffen machen.
00:18:54: Man kann als Apothekerin natürlich auch zwingend daran erinnern, dass wenn mit der Ben-Therapie gearbeitet wird wirklich jedes Mal eine neue Pen-Nadel verwendet wird – das wird gerne im Alltag vergessen!
00:19:07: Und ein Thema, das mir ganz wichtig ist, dass man als Person mit Diabetes auf Notsituationen vorbereitet ist
00:19:14: zum
00:19:14: Beispiel auf ein Blackout, dass man doch zu Hause ein batteriebetriebenes Blutglucose messgerät hat.
00:19:22: Dass man reichlich Traumzucker immer bei sich hat und Insulinreserven hat um im Notfall nicht ohne das lebensnotwendige Insulin dazustehen.
00:19:32: Notfalltraumzuckers sollte man sowieso immer eingesteckt haben besonders natürlich wenn man sich körperlich betätigt weil muskelarbeit Insulin-Dos ist.
00:19:43: einspart, also auch bei Sport oder kräftiger körperlicher Betätigung kann man leicht unterzuckern.
00:19:50: Und das ist ein wichtiges Thema, dass man als Apothekerin nachfragt ob die Angehörigen geschult sind wie in der Situation einer Hypoglychemie, so eine Unterzukerung vorgegangen werden muss.
00:20:02: Was sind in dieser Situation wichtige Beratungs-Tipps, die wir mitgeben können?
00:20:06: Es gibt ein sogenanntes Notfallmedikament für die Hypoglycemie, wenn sich der Patient nicht mehr selbst helfen kann.
00:20:14: Wenn der Unterzucker so stark ist dass man vielleicht noch gar nicht bewusstlos ist aber nicht mal in der Lage ist selber den Traubenzucker zu öffnen Dann müssen die Angehörigen wissen, wo sich das Notfall-Medikament befindet.
00:20:28: Hier wird Glukagon mittlerweile nasal verabreicht.
00:20:32: Das ist ein Nasenbulfa.
00:20:33: D.h.,
00:20:34: die Angehörigen müssen wissen, wofür das Notvollmedikament ist und sie müssen wissen wie es schnell und unkompliziert anzuwenden ist.
00:20:42: Wenn kein Notfall Medikament zur Verfügung steht dann muss man natürlich die Rettung rufen weil dann braucht die Diabetikerin Glucose intravenös.
00:20:50: Ja, ist wirklich auch guter Notfall.
00:20:52: Gibt es auch Arzneimittelinteraktionen, die marktiv ansprechen soll?
00:20:56: Ja.
00:20:56: Auch das sollten wir in der Apotheke berücksichtigen weil doch einige Arzneimittel einen Einfluss zum Beispiel auf den Glucosispiegel haben und da möchte ich an erster Stelle die Glucocorticoide nennen.
00:21:07: Das ist jetzt nicht das Cortison-Nasen-Spray oder auch nicht die niedriger Dosis der Asthmainhalator.
00:21:13: aber wenn Glucocoiticoide oral verabreicht werden oder vielleicht intravenös Dann gerät bei der insulinpflichtigen Person mit Diabetes der Glucose Spiegel außer Rand und Bank.
00:21:24: Und da muss man wirklich gut auch ärztlich betreut sein, dass man dementsprechend die Insulin-Dosis ordentlich anpasst.
00:21:32: Darüber hinaus sind es gerade was die Frauen betrifft, die oralen Kontrazeptiva, die einen Einfluss auf den Glucose-Spiegel und somit dann auch parallel wieder auf den Insulinbedarf haben.
00:21:43: Man benötigt zum Beispiel in dieser Woche der Billenpause weniger Insulin als in den drei Wochen wo man die Bille einnimmt und da muss man gut geschult sein dass man die Dosis des täglich gespritzten Insulins dann auch zurück reduziert.
00:22:00: Und eine Substanzklasse gibt es noch, die für Personen mit übereinstiabetes nur mit Vorsicht oder besser gar nicht gegeben werden sollen.
00:22:07: Das sind die Beta-Blocker.
00:22:09: Beta-Blocker kaschieren nämlich diese Wahnsignale, die bei einer beginnenden Hypoklychemie auftreten.
00:22:16: Dieses Herzrasen, dieser kalte Schweiß der Ausbricht, dass man so unruhig und nervös wird – das würde unter der Beta- Blocke gar nicht so deutlich hervorkommen und man würde vielleicht eine Hypokrychemie zu Beginn übersehen und da wird es schnell gefährlich!
00:22:32: Ein anderes sehr wichtiges Beratungsthema sind natürlich immer banale Infekte, gerade im Winter aber eigentlich ganzjährig.
00:22:38: Was ist hier bei der Beratungen von Diabetiker und Diabetikerinnen zu beachten?
00:22:43: Bei einem Infekt ist es in der Regel so dass meistens auch der Insulinbedarf dramatisch ansteigt.
00:22:48: also oft merkt man schon anhand der Glucosekurve wenn eine Erkältung oder vielleicht ein schwerer Infekt wie Covid-IX oder eine Influencer aufzieht.
00:22:59: Durch diese Stresshormone, die beim Infekt ausgeschüttet werden kommt es dazu dass der Insulinbedarf dann deutlich ansteigt und die Blutglucose sehr hoch ist.
00:23:09: Und das ist auch wieder so ein Punkt man muss ständig an der Insulindosis herumschrauben.
00:23:14: ich glaube es gibt keine andere Erkrankung wo der Patient mehrfach täglich in eigen Regie seine Therapiedosis festlegt ändert, anpasst.
00:23:27: Zum Abschluss vielleicht nochmal hörte in der Leinenpresse jetzt auch immer wieder, dass es irgendwann eine Heilung geben wird für ein Typ I Diabetes.
00:23:33: Wo siehst du da den Stand der Forschung aktuell?
00:23:36: Also ich kann sagen das sich sehr viel auf dem Gebieter Diabetes-Forschung tut.
00:23:41: Ob es irgendwann einmal eine Heilungen geben wird ist aus heutiger Sicht noch nicht ganz abzuschätzen.
00:23:48: Wo momentan das Hauptaugenmerk der Diabetesforschung liegt, ist dass man die zerstörten Beta-Zellen im Körper durch sogenannte neue insulinproduzierende Zellen ersetzt.
00:24:00: Das wird versucht mit.
00:24:01: aus pluripotenten Stammzellen, neu generierten insulinproduzierenden Zellen zu machen.
00:24:08: Da wird noch viel untersucht ob es notwendig ist parallel dazu immunsupressiver zu nehmen.
00:24:14: das Ziel ist natürlich keine Immunsuppressiva zu brauchen.
00:24:18: also Es tut sich wahnsinnig viel auf dem Gebiet und ich habe einmal diesen schönen Spruch gehört es ist eine gute Zeit jetzt Typ eins Diabetes zu haben Weil eines möchte ich auch noch festhalten, vor der Einführung der Insulintherapie und das war im Jahr neunzehnundzwanzig war Typ I Diabetes ein Todesurteil.
00:24:38: Ja und es ist wirklich bemerkenswert was sich da getan hat in hundert Jahren.
00:24:42: Helga hast du zum Abschluss noch eine wichtige Botschaft die du allen Apothekerinnen und Apotheken daraus mitgeben willst?
00:24:49: Ja meine Schlussbotschaft soll sein man kann mit Typ I diabetes fast ein normales Leben führen.
00:24:56: Man hat die Mental Lod, weil man tagtäglich sehr viele Entscheidungen treffen muss.
00:25:00: wie ist die Insulin dosierung?
00:25:02: kann ich jetzt Sport machen?
00:25:04: Kann ich jetzt schlafen gehen oder muss sich vorher noch einen Traubenzucker einnehmen?
00:25:08: Ich sage immer es gibt gute Tage Es gibt ganz schlechte Tage.
00:25:12: Die meisten tage sind irgendwo dazwischen.
00:25:16: Am Tag eins genau das Gleiche machen wir am Tag zwei und der Glucose-Spiegel entwickelt sich völlig unterschiedlich, also der Körper ist keine Maschine.
00:25:26: Und ich fühle mich jetzt persönlich kaum eingeschränkt durch diese Autoimmunerkrankung.
00:25:33: Vielen Dank, liebe Helga für dieses tolle Gespräch.
00:25:35: Du hast uns heute auf eine ganz tolle Reise mitgenommen von den Autoimmunprozessen bis zu den neuen Therapieoptionen und den beratungspraktischen Hinweisen für die Apotheke.
00:25:46: Vielen Dank dass du dir heute Zeit genommen hast für dieses Gespräch!
00:25:49: Vielen Dank das ich eingeladen wurde.
00:26:04: Das war Podcastfolge neununddreißig.
00:26:08: Zum Thema Diabetes finden Sie in unseren neuesten ERZ-Ausgabe einen Beitrag von Magister Christopher Wachsenecker mit dem Titel Der stille Schaden, diabetische Nephropathien.
00:26:26: Ein Kompaktupdate
00:26:28: zu Screening, Risikostratifizierung und moderner Pharmakotherapie.
00:26:34: Magister Tina Grasser beschäftigt sich in einem anderen Beitrag mit SGLT II Hammer und Begleiterkrankungen zwischen Kardiorenalem-Nutzen, Polyfamazie und Interaktionsrisiken.
00:26:48: Außerdem finden Sie in dieser Ausgabe einen interessanten Artikel zum Thema Harnwixinfekte und einer neuen Klassifikation – neue Einteilung alte Frage an Debiotiker ja oder nein!
00:27:02: Diesen und viele weitere Beiträge finden sie auch online auf oerz.at Und einige davon auch zum Anhören falls wir keine Zeit zu lesen haben.
00:27:13: Vielen Dank, dass Sie bei Folge thirty-neun von ÖAZ im Ohr reingehört haben.
00:27:18: Bleiben Sie weiterhin neugierig gut informiert und denken Sie daran – Ihr Wissen ist die beste Medizin!
00:27:26: Dieser Podcast richtet sich an Fachkreise und in der Vermittlung von allgemeinem Wissen über pharmazeutische und medizinische Themen.
00:27:33: Es werden keine konkreten Therapieempfehlungen oder individuelle Ratschläge für Laien
00:27:38: gegeben.
00:27:39: Die Inhalte ersetzen keinesfalls den Besuch bei einem Arzt einer Ärztin oder eine Apothekerin, einem Apothekar.
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